Archiv für die Kategorie ‘Afrika’

St. Lucia – Hluhluwe – Swasiland – Soweto

Donnerstag, 03. Dezember 2009

Die letzte Woche in Südafrika ist angebrochen. Auf dem Weg durch Kwazulu-Natal vertreiben wir die trüben Gedanken mit den lokalen Presseerzeugnissen. Für amüsante Momente sorgt immer wieder die „Elle“.
A) Die Autoren thematisieren sich gerne selbst: „How to be a fashion editor and stay slim“
B) Die Ratschläge haben sie offenbar von der BRAVO abgekupfert: „Lass dich nicht von fremden Typen nach Hause fahren, setz’ dich nicht alkoholisiert hinters Steuer“ usw. usf.
Herrlich auch die Beauty-Tipps: „Wie kann ich morgens Zeit im Bad sparen? Lackiere deine Nägel am Abend vorher!“ Ach klasse, wäre ich nicht drauf gekommen.
Genug gespottet, wir sind im Marine Reservat St. Lucia angekommen. Als wir im Garten unseres Appartements grillen, bekommen wir Besuch. Eine vierköpfige Hippo-Familie mäht unseren Rasen, während wir leicht nervös an unseren Maiskolben nagen:hippos_im_gadde
In den nebeligen Hügeln des Hluhluwe (gesprochen: Schluschluwä) Parks unternehmen wir unsere letzte Foto- bzw. Videosafari. Inzwischen routiniert im Umgang mit großen Tieren machen wir das im eigenen Wagen. Hier ein paar bewegte Bilder (leider etwas mau – qualitativ):

Nach einer Nacht in einer feschen Lodge ziehen wir ab nach Swasiland. Das kleine Königreich hat etwa die Größe Sachsens und liegt mitten in Südadfrika. Hinterm Schlagbaum gewittert es gewaltig. Klar, dass wir nicht lange zögern, als wir drei Schulkinder mit ausgestrecktem Daumen im Regen sehen. Die beiden Jungs springen nach wenigen Kilometern raus, das Mädchen – Primrose, 16, Lieblingsfach Hauswirtschaft, Traumberuf Krankenschwester – muss in ein kleines Dorf namens Ludzeludze. Es ist nicht auf unserer Karte eingezeichnet und wie sich herausstellt, kann Primrose den Weg dorthin auch nicht erklären. Macht nüscht, wir ham ja Zeiiiit. Nach zwei Stunden und einem Dutzend U-Turns biegen wir endlich auf die kleine Hauptstraße von Ludzeludze ein. Leicht erschöpft, wir denken halt immer noch in deutschen Dimensionen… Den Weg ins Sondzela Backpacker finden wir schneller. Die Koffer in einem Roundavel (ein afrikanisches Rundhaus) geparkt, freuen wir uns über das nahrhafte und absolut günstige Buffet im Swasi-Style: swasi_buffet
Aufgrund zweier Spinnen beträchtlichen Ausmaßes (warum stehen die eigentlich nicht auf der roten Liste?) bleibe ich den zweiten Tag ungeduscht und pieschere in den Garten.

Die letzte Station unserer Afrikareise heißt Johannesburg. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für eine Backpacker-Nacht in Soweto entschieden. Die Zimmer sind zwar etwas einfach, dafür kann man den Menschen auf einer von Einheimischen geführten Radtour durch den SOuth WEstern TOwnship auf Augenhöhe begegnen – auch wenn man dazu mal in die Knie gehen sowetoprincess
oder in einer Wellblechhütte selbstgebrautes Johannesburg Beer tanken muss:soweto_bier
So. Nach knapp 10 000 Kilometern, war es das also, das Afrikaabenteuer, das mir bei der Planung einige Sorgen bereitete. Zu unrecht. Keines der Klischees hat sich bestätigt. Wir waren in der Kalahari mit dem Mietwagen unterwegs, kein Elefant hat unser Auto umgeworfen. Wir haben nach Einbruch der Dunkelheit in Johannesburg an roten Ampeln gehalten, kein Mensch hat uns die Reifen aufgeschlitzt und Dollarnoten gefordert. Wir haben im Township Soweto-Burger burger+radio+beer

gegessen, kein Kind hat uns die Pommes vom Teller gerissen. Allerorts wurden wir mit einem fröhlichen „Hello! How are you?“ begrüßt. Vielleicht hatten wir einfach nur Glück, vielleicht ist Afrika aber schlichtweg besser als sein Ruf.

Oh ich vergass. Ein Klischee hat sich doch bewahrheitet: auf diesem Kontinent sind die Spinnen wirklich verdammt groß.
Und es gibt noch ein kleines Drama zu vermelden: Prinz Pudel ist weg. Er ist unauffindbar. Ob er sein Blue Duiker getroffen hat und verliebt zurückgeblieben ist? In Buenos Aires müssen wir die Koffer auf den Kopf stellen. Das kann und darf nicht wahr sein!

Kalahari

Sonntag, 22. November 2009

Endlich geht’s in die Kalahari. Endlich kann ich hautnah erleben, was ich bisher nur aus ungezählten Stunden vor der Glotze kannte. Die Semi-Wüste ist Niemandsland und Naturreservat in einem, liegt im Dreiländereck Namibia-Botswana-Südafrika und ist mit rund 1,2 Millionen km2 ungefähr so groß wie Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Niemandsland bedeutet: Wenn man (wie wir) aus Namibia in die Kalahari will, muss man auschecken (Pass!, Woher?, Wohin? Haben Sie was zu verzollen?) und wenn man sie wieder verlässt in einem anderen Land einchecken (Pass!, Woher?, Wohin? Haben Sie was zu verzollen?).
Doch bevor wir die Kalahari erreichen, müssen wir noch einmal übernachten. Camping auf einer Cheetah-Farm in Keetmanshoop. Cheetah werden hier die Geparden genannt. (By the Way: Ich bin ein großer Geparden-Fan. Verena nicht. Sie behauptet sogar die Geparden-Babies sehen aus wie Ed-Hardy-gedresste Marzahn-Kids. So ein Quatsch!)
Die Cheetahs leben hier in einem angeblich 40 km2 großen Gehege und werden täglich um 17:00 Uhr gefüttert. Der Herr des Hauses pfeift, die Geparden kommen angetrottet und stürzen sich auf ihren Fleischbatzen. Dann bittet der “Cheetah-Papa” die Gäste ins Füttergehege und einer nach dem anderen wird mit “Du! Du da hinten! Du warst noch nicht dran.” gezwungen dem Tier den Nacken zu kraulen. Ziemlicher Touri-Zoo das ganze. Trotzdem steigt mein Puls auf 130 als ich an der Reihe bin.
cheetah
So jetzt aber in die echte Wildnis. Am Eingang zur Kalahari müssen wir angeben, wie lange wir bleiben und alle Unterkünfte im Voraus buchen. Hin und her gerissen zwischen “Ja! Wie bei Daktari!” und “Wie da ist kein Zaum um den Gampingplatz?” entscheiden wir uns für die umzäunte Variante. Nach ein paar Ermahnungen (“Nie das Auto verlassen, nicht aus dem Fenster lehnen”) geht es endlich los. Und wir haben Glück. Großes Glück. Schon nach einer halben Stunde unser erstes Löwenrudel. Dösend unter einem Baum.
rudel1
Und dann geht es Schlag auf Schlag. Gnus,
gnu
Springböcke,
springbok
ein Singhabicht,
greif
ein Lockenleopard,
pp
ein zweites Löwenrudel mit zwei stattlichen Männchen,
rudel2
und den schwersten flugfähigen Vogel der Welt, eine Riesentrappe.
bigbird
Leider bekommen wir auch die Unbarmherzigkeit der Natur zu sehen.
Einen Schakal mit einem geschwollenem Kopf. (Hat sich wohl mit einer schwarzen Mamba angelegt und sieht jetzt eher aus wie ein Schwein)
schakal
Und zu unserem Entsetzen eine sterbende Löwin. Wir dachten, sie wäre tot. Aber als wir das Foto schießen, öffnet sie noch einmal kurz ihre Augen. Mein Gott wasn Schock!
sterbenderloewe
Nach 2 vollen Tagen warten, flüstern und knipsen haben wir eigentlich alles gesehen außer Giraffen, Schlangen und Hyänen. Wir verlassen die Kalahari Richtung südafrikanische Zivilisation.
Übrigens Kalahari ist Kgalagadisch und bedeutet “Land des großen Durstes”. Stimmt.
– A –
PS: Falls jemand noch mehr Fotos sehen will: es gibt jetzt eine Namibia Galerie

Namibia – Es wird exotisch

Sonntag, 15. November 2009

Für meinen Geschmack zu exotisch. Doch dazu gleich mehr. Diesmal muss ich etwas ins Detail gehen.

Wir haben Südafrika also den Rücken gekehrt und den Opel Corsa gegen einen Allrad-Jeep mit Dachzelt getauscht. Ausstaffiert mit zwei Kanistern Benzin, Wasser und Vorräten rasseln wir eine Woche lang über Namibias Sand- und Schotterpisten. Über Stunden kommt uns kein Auto entgegen, diese unendliche Weite (anfangs fast beklemmend). Das erste Tier, das uns vor den Bullenfänger läuft, ist ein dicker Skorpion. Ausgerechnet. Nichts wie raus aus den FlipFlops, rein in die Wanderschuhe und nie mehr ausgezogen! Uff.
Die erste Nacht im Zelt verbringen wir auf dem Hobas Campingplatz Nähe des Fish River Canyons (der zweitgrößte nach dem Gran Canyon übrigens). Der Camp-Wart lebt seit 12 Jahren auf dem Platz und präsentiert uns beim Check-In stolz seine Sammlung eingelegter Schlangen und Skorpione.schlange
Was man denn im unwahrscheinlichen Falle eines Skorpionstichs mache, will die nervöse Großstädterin wissen. Der zahnlose Zeltplatz-Betreiber muss nicht lange überlegen. „Alkohol!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Alkohol natürlich! Damit desinfiziert man die Stichstelle, richtig?“ „No, no. Drink! Drink! Good for the heart.“
Alles klar. Weiß ich bescheid. Einen heben hilft im Zweifelsfall immer… In unsere ersten Zeltnacht in der Wildnis stören uns allerdings keine stechenden Wüstentiere, sondern nur kreischende Paviane, die um den Inhalt der Mülltonnen kämpfen.

Die zweite Nacht verbringen wir auf einem traumschönen Camping-Platz mit Meerblick in der Lüderitzbucht. In der ehemaligen Diamantenhochburg Kolmanskop – heute verlassen und von der Wüste vereinnahmt – schießen wir Hunderte Fotos.ghost1

Es geht weiter Richtung Namib Wüste. Hochplateaus, im orangen Licht der untergehenden Sonne, güldene Graslandschaften und unfassbar schicke Zebraszebras und Oryxe (wilde noch dazu) oryxrauben uns den Atem. Nun weiß ich, warum die ZDF-Filme mit der
herzigen Christine Neubauer vor Schmalz nur so triefen. Afrika fordert es geradezu heraus.
Auf einer Farm finden wir in einer Felsenbucht den schönsten Campingplatz der Welt. Wie ist das Leben nur herrlich und entspannt.auto

Die Ruhe ist vorbei, als wir bei unserer fliessend Deutsch sprechenden Wirtin die Rechnung unterschreiben. Humaner Preis, wieso aber muss sie uns zum Unterzeichnen der Papiere an ihren Lieblingsplatz führen? Auf dem Tisch ein Einmachglas mit lebendem Skorpion, im Regal ein Schaukasten mit getrockneten Insekten – darunter deprimierend große Spinnen. Als bekennende Spinnenphobikerin bin ich das gefundene Fressen für unsere Insektenfreundin. „Ja, Spinnen gibt es in Namibia sehr viele. Aber die sind alle ungiftig, nur eben sehr groß“, schürt sie meine Angst und deutet auf eine sandfarbene Walzenspinne (auch Red Roman od. Sun Spider genannt). „Die Sun-Spider rennt gern in Lichtkegel. Also lasst nicht ständig die Lampen an.“ Vielen Dank auch. Mit Angstschweiß auf der Stirn verlassen wir die Farm. Im Auto rede ich mir ein, dass es doch so viele Spinnen und Skorpione in Afrika nicht geben kann, wenn sie die Eingeborenen so sorgfältig konservieren. Und überhaupt, warum sollte ausgerechnet MIR eines dieser seltenen Viecher über den Weg laufen?

Einigermaßen runtergekühlt pesen wir weiter in die Namib Wüste. In Sossousvlei klettern wir auf eine 200 Meter hohe Düne und genießen einen Sundowner – erneut gerührt von der Schönheit des schwarzen Kontinents. wueste

Der Rückweg wird anstrengend. Wieder einmal verschätzen wir uns. Wir fahren uns in der Sandpiste fest, die wenigen anderen Touristen-Jeeps sind nur noch Punkte am Horizont. Wir sind bis auf einen Minivan die letzten. Andi fällt ein, dass er den Low-Drive-Gang einlegen muss, wir kommen schnell frei, trotzdem müssen wir einen Teil der Strecke im Dunkeln zurücklegen. Macht man bei Straßen ohne Zäune ziemlich ungern.
Auf dem Zeltplatz finden wir unseren Platz nicht. Wir fahren zurück zur Rezeption, ich steige aus, Andi leuchtet mir mit den SCHEINWERFERN den Weg. Der Empfangstisch ist nicht mehr besetzt, die Türen geschlossen. Ich will schnell zurück zum Auto, da ruft mir ein beleibter Herr aus dem Dunkeln zu, ob ich Hilfe brauche. Ich mache einen Schritt auf ihn zu, gucke natürlich vorher zu Boden und da rennt sie los: die handgroße Walzenspinne, angezogen vom Licht der Scheinwerfer. Hysterisch kreischend schaffe ich den Sprung ins Auto. Der beleibte Herr tritt die Spinne todesmutig mit seinen kunstledernen Slippern kaputt und lacht dabei freundlich. „It has no poison, don’t panic.“ Kein Gift? Mir doch wurscht. Für mich sind alle Spinnen per se lebensbedrohlich (während ich das schreibe, juckt es mich schon wieder überall).
Die Nacht auf dem von Spinnen verseuchten Campingplatz zu verbringen, scheint unmöglich, bis wir den Preis für ein Zimmer in einer nahegelegenen Lodge erfahren: 360 namibische Dollar, ca. 345 Euro. Das kann und darf mir meine Angst nicht wert sein.
Wir beschließen, dass ich auf dem Beifahrersitz warte, bis Andi heldenhaft das Zelt aufgebaut hat und ich mich über die Leiter aufs Dach retten kann. Das Licht bleibt aus, damit wir nicht noch mehr Spinnen anziehen. Irgendwann fällt mir der Rat von meinem Freund im Fish River Canyon ein: Alkohol trinken! Der sündhaft teure Wein vom Tulbagher Weingut muss herhalten. Ein Jammer. Dafür schlafen wir einigermaßen stressfrei ein. Dem Gejaule der Schakale entgehen wir dank Ohrstöpseln.
Meine Güte. Wer hätte gedacht, dass Namibia so exotisch ist? (Jetzt lacht dein Papa sicher, Kathi.)

Swellendam – Barrydale – Tulbagh

Samstag, 07. November 2009

Abschied von Cape Town. An unserem letzten Abend machen wir Braai. Braai wird Brrraiiiiii ausgesprochen und ist Afrikaans für BBQ. Ich hatte ein Medium-Well-600-Gramm-Rumpsteak. 6 € im Supermarkt. Noch Fragen?
DIe Namibia-Kalahari-Safari startet am Sonntag. Also noch vier Tage Zeit. Wir fahren ein bisserl ins Landesinnere.
First Stop: Swellendam. Hier hiken wir zur Abwechslung mal durch den Busch.
hiking
Die Paviane, die wir aufscheuchen, versuchen uns mit wirklich beeindruckendem Gebrüll zu beeindrucken. Klappt ganz gut.
Trotzdem werde ich langsam zum Wander-Fan. Oder einfach nur alt.
Für die Übernachtung wurde uns der Backpacker “Dung Beetle” in Barrydale empfohlen. Wir bekommen ein riesiges Zimmer für 12 € pro Nase.
Überhaupt empfohlen. Man braucht wirklich keinen Guide hier. Der Südafrikaner liebt es, dem geneigten Urlauber die interessantesten und schönsten Ecken seines Landes zu empfehlen.
Der berühmteste Laden in Barrydale ist wohl die MAGPIE Gallery.
magpie
Die Jungs designen Lampen und Kronleuchter aus Plastikabfall. Einen davon hat sogar Barack Obama in seinem weißen Haus hängen.
Die letzten zwei Tage vor unserer Safari verbringen wir im ebenfalls empfohlenen Tulbagh. (sprich: Tählbach)
Genächtigt wird diesmal etwas teurer. Im “Cape Dutch Quarter” in der Church Street.
quarter1
Wie die gesamte Strasse, erbaut im sogenannten Kap-Holländischen Stil.
quarter2
Hier machen wir auch unsere erste Weintour. Eigentlich ist es eine Champagner-Wein-Wein-Schokoladen-Tour. Angefangen im Kellergewölbe der “Twee jonge Gezellen” mit über 5000 Flaschen Perlwein
wein
bis zur kleinsten Schokoladenfabrik der Welt “Moniki”.
schoko
Wir sind schon um 2 pm besoffen.
Das hindert mich natürlich nicht nebenbei noch php zu lernen und eine kleine Galerie zu implementieren. Wie wir IT-Fuzzi’s sagen…
– A –

Kapstadt Teil2 – Bunte Bälle, hohe Berge, weiße Haie

Dienstag, 03. November 2009

Habe ich zu den fleißigen Herrschaften tatsächlich gesagt „May I take a picture? You look so cute with your BALLS!“? Ich befürchte es. Mein Englisch muss besser werden.baelle
Aber das ist nur eine Randnotiz. Das wirklich aufregende Ereignis erwartet uns in Gansbaai: Ich, Besitzerin von drei Haipostern, einem „Jaws“-T-Shirt, einer holzgerahmten „Jaws“-Fotografie, einem Hai-Federball, einem Plüsch-Shark vom WWF, einem sprechenden Schaumstoff-Hai, zwei aufziehbaren Hai-Schlüsselanhängern und einer Hai-Marionette am Stiel, treffe endlich auf mein Lieblingstier: den Great White Shark! Chris Fallows, Hai-Photographer, empfiehlt uns Marine Dynamics, einen Anbieter, der eco-friendly Shark-Diving anbietet. Eco-Friendly heißt: ein Großteil der Einnahmen geht an Shark-Research-Programme; außerdem werden die Haie nicht unnötig gereizt (zum Beispiel durch Stockschläge auf die Schnauze, das garantiert den Touristen spektakuläre Fotos von aggressiv aufgerissenen Mäulern) hai1Ich lerne: Haie sind sehr friedliche Fische. Trotzdem bin ich so nervös wie vor einer Prüfung, als ich in den Käfig steige. Das Wetter ist perfekt. Gute Sicht, keine Wellen und strahlende Sonne, es dauert nicht lange bis 12 Haie unser Boot umkreisen. Hätte ich doch nur noch eine ruhige Hand gehabt (oder wäre der Hai waagerecht geschwommen):hai2
Nach dieser Aufregung erstmal ein Tässchen Roibusch-Tee in der Universitätsstadt Stellenbosch. Wenn einem Studenten hier eine Eichel auf den Kopf fällt, macht er ein gutes Examen. Das besagt ein Sprichwort. (Heike, worauf wartest du noch?) tee
Nach Shark-Diving-Tour, Robben-Island-Besuch und Stellenbosch-Visite gilt es Kräfte für die Besteigung des Tafelbergs zu sammeln. Gott, ist die Tour anstrengend. Too much Sun. Und dann kommt der 13 Jahre ältere Raucher auch noch vor mir an – locker und beschwingt:tafelberg Ächz. Life is a bitch.
– VAU –

Kapstadt Teil1

Dienstag, 27. Oktober 2009

Wir kommen 2 Tage zu spät in unserer Unterkunft, der elements lodge, in Cape Town / Table View an.
Ab 19. Oktober hatten wir gebucht. Am 21. checken wir ein. Unsere Gastgeber, Remo und Esther, Mitte 30 und ursprünglich aus der Schweiz, dachten schon uns wäre etwas passiert. Keine Ahnung, wieso wir uns so vertan haben. Die Lodge hat 4 Zimmer. Gestaltet nach den Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft. Wir bekommen das Wasser.
elements lodge
Wirklich sehr schön hier. Gestört wird unser Aufenthalt nur durch das kettenrauchende Ehepaar Petra und Peter (die heißen wirklich so) aus Wuppertal. Entweder sie husten, oder sie lachen. Oder beides gleichzeitig.
Wir schauen uns erstmal Kapstadt an. Was auffällt: überall wird gebaut.
bauen
Richtig, wegen der WM.
stadion

Erwähnte ich schon, dass man in Südarfika sehr gut und preiswert essen kann?
essen

Unser neues Fortbewegungsmittel ist ein Opel Corsa mit 90er-Jahre-Ausstattung. Kein Airbag, Rührwerkschaltung und Loch im Auspuff. Herrlich!
In unserer Gemeinschaftsküche treffe ich 2 Pinguin-Pflegerinnen aus Kopenhagen und Velten, die uns die Kolonie selbiger in Simon’s Town ans Herz legen. Die schauen wir uns natürlich an.
pinguine
Vielleicht mehr ein Koloniechen, aber ganz putzig.
pinguine2

Am Sonntag gehen wir in den botanischen Garten
botanisch
und machen danach unsere 2. Hikingtour in Afrika. Aber nicht auf den Tafelberg, der ständig wolkenverhüllt ist, sondern auf einen seiner kleineren Kollegen.
Geshoppt wurde natürlich auch schon. In der trendy Long Street und an der poshen Waterfront. Neben ein paar nicht weiter erwähnenswerten Klamotten haben wir unser Geld in ein Fernglas und in wirklich umwerfend aussehende Kopfstrahler für unsere Night Hiking Tour auf den Lion’s Head investiert.
Parallel dazu versuchen wir unseren Namibiatrip zu organisieren und jemanden zu finden der politisch korrekte Sharktouren anbietet.
Gar nicht so einfach…

-A-

Addo – Knysna – Witsand – Hermanus

Donnerstag, 22. Oktober 2009

„Lucky you! See the pugmarks on the ground? There must be a lion somewhere around here. Now you have to be reeeeally careful.“ Ja, ja deine Mudder…

Wir sind im Addo Elephant National Park und bereuen nicht nur, auf der „Sunrise Safari“ nicht doch ALLE verfügbaren Klamotten übereinander angezogen zu haben (es ist lausig kalt wie auf der Zugspitze, können uns kaum auf die Tierwelt konzentrieren) – wir bedauern auch, auf einem Pick-Up eingepfercht zwischen Wolfgang und Ingrid aus Kassel auf die Jagd nach Afrikas Big 5 (Rhino, Elefant, Büffel, Löwe und Leopard) gegangen zu sein. Irgendwie ist doch alles sehr touristisch, nicht zuletzt dank unseres gähnenden Guides Jonathan, der uns weismachen möchte, dass nur sehr wenige Touristen in den Genuss frischer Löwenspuren kommen. Den dazugehörigen Löwen sehen wir übrigens nicht.

Die nächste Safari machen wir auf eigene Faust im Toyota Yaris! Das schwören wir großspurig – bis uns dieser Geselle den Weg abschneidet:addo

Drei Tage später fühlen wir uns endlich wieder wie die einzigen Traveller auf Gottes Erdboden. Witsand ist ein echter Geheimtipp, wenn es um das Studium von Walmüttern und ihren Kindern geht. Das ehemalige Fischerdörfchen an der St Sebastian Bay teilen sich rund 800 gutbetuchte Rentner mit bis zu 200 Walfischen. Die kommen zwischen Juli und November in die Bucht geschwappt, um auf dem Weg in die Antarktis ihre Kinder zu gebären (also die Wale nicht die Rentner). Wir kauern stundenlang am Strand und bestaunen durch das Fernglas kleine und große Fontänen, glänzende Kälberbuckel und majestätische Schwanzflossen. fernglasSouthern Right Whales verdanken ihren Namen übrigens den Walfängern, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Jagd nach den Riesen gingen. Die Behäbigkeit der speckigen Säuger und ihre Unmengen an Tran machten die Southern Right Wales zu “genau dem richtigen” Jagdobjekt. Seit 1937 dürfen auf die Tier übrigens keine Harpunen mehr geworfen werden.
So. Ham wa wieder was gelernt (steht auch nicht auf Wikipedia).
wal
Als wir den darauffolgenden Tag im Küstenörtchen Hermanus ankommen, wissen wir, wo der Rest der Touri-Spezies den Southern Right Whale studiert. Im Hafenbecken von Hermanus. Hier kommen die Giganten so dicht, dass wir uns ihre Walspucke von der Stirn wischen müssen. Ihhhh wie ist das schön!

Nach einem Picknick im Hafen und unserer ersten Nacht auf durchgelegenen Matratzen im Dorm des Hermanus Backpacker geht’s nach Kapstadt. Wir rasten erneut in etlichen schönen Country-Stil-Häusern, laben uns an Springboek-Carpaccio und trinken in den Dünen Savanna Dry.sonnenuntergang Inzwischen gleicht Südafrika der französischen Küste, streckenweise auch dem Sauerland. Die Kühe sind sauber eingezäunt, keine Ziegen knibbeln mehr das Gras neben den Leitplanken ab. Die „Armed Response“-Schilder an den Häusern werden weniger, die mit Stacheldraht gekrönten Mauern niedriger, auf den Straßen fehlen die Schlaglöcher. Wir fühlen uns gut aufgehoben, vermissen aber das ungezähmtere und irgendwie ehrlichere KwaZulu-Natal und die Gegend um Transkei. Aber dahin kommen wir auf dem Weg nach Swasiland und dem Hluhluwe-Imfolozi Park ja zurück…

Was Prinz Pudel anbelangt: der hat uns sauber veräppelt, als er sich als Gastblogger bewarb. Er ist stinkfaul, immerzu damit beschäftigt, seine goldenen Locken zu kämmen. Dann sollen wir ihn vor allen möglichen Sightseeing Ikonen filmen und die Videos ins Netz stellen. Aber da hat er sich geschnitten, denn jetzt gibt’s erstmal Walspucke:

– VAU -

Durban – Umtata – Coffee Bay – Chintsa

Samstag, 17. Oktober 2009

So jetzt noch kurz zum Apple-Händler, Kabel für den Shuffle holen und raus aus Durban.
Den Store haben wir auch ziemlich schnell gefunden, um dann festzustellen, dass Sonntag ist. OK, dann ohne Kabel auf den Highway Richtung Coffee Bay. Nach gut 3 Stunden kommen wir in eine zum Herrenhaus errichten schöne Gegend. Hunger haben wir auch. Fehlt nur noch das… Ah ein Schild: „Willowdale Lodge“. Auf der Veranda der ehemaligen Farm lassen wir uns Spread & Bread und Banoffis servieren. Im Zigarrenzimmer dann noch ein kurzer Blick in die Tagespresse.
1
Alles sehr nobel. Alles sehr kolonial. Vielleicht ein bisschen viel Vorfahren an der Wand.
100 km vor unserem Ziel, der Kaffeebucht, wird’s langsam dunkel. Das schaffen wir nicht mehr. Also schnell eine Alternative suchen. In Umtata. Geburtsstadt Nelson Mandelas und ANC-Hochburg. Wir finden das Backpacker nicht. In Nullkommanix ist es stockduster. Wir sollten doch nicht im Dunkeln fahren. An der Ampel schauen uns, im doppelten Sinn, finstere Gestalten ins Auto. OK ab ins nächst beste Hotel. Was? Zimmer 120 €? Nehmen wir.
Angenehm erholt geht’s jetzt endlich zur mehrfach empfohlenen Coffee Bay. Die letzten 60 km über die Pot Hole Ave. Abertausende Schlaglöcher. Wieder verschätzen wir uns. 2 Stunden für 60 km. Zum Glück gibt’s an jeder Ecke was zu trinken.4
Endlich checken wir im Coffee Shack ein. Im Kings House natürlich. Zusammen mit einem sehr netten indischen Kifferpärchen.
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2 Tage relaxen, inklusive Kulturprogramm, Quoten-Dreadlock und Wanderung in unseren nagelneuen deutschen Wanderschuhen aus chinesischer Produktion.
Und immer dieser Wind. Jeden Tag Wind. Man müsste Kite-Surfer sein und sein Equipment dabei haben.
Am Dienstag wechseln wir nach Chintsa. In ein noch geileres Backpacker in einer noch geileren Bucht. Und relaxen gleich noch mal 2 Tage.
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Prinz Pudel ist übrigens ganz angetan von Südafrika. Besonders vom Pazifik. Er sitzt stundenlang am Strand und wartet auf die Freakwave…
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– A -

Jo’burg – Clarens – Escourt – Durban

Samstag, 10. Oktober 2009

Nachdem wir Prinz Pudel mit Ach und Krach duch die Sicherheitskontrolle am Flughafen gebracht haben (“Was transportieren se dann da fürn Haken?” FYI: Pudels Aufziehmechanik basiert darauf) reisen wir endlich durch den Süden Afrikas. Nach der Landung in Jo’burg lassen wir uns erstmal bei der Autovermietung über den Tisch ziehen, dafür haben wir jetzt 2 Airbags – nicht verkehrt bei Linksverkehr.
Von Johannesburg geht’s Richtung Drakensberge.drakenbsberge 1. Stopp: das pittoresque Künstlerdorf CLARENS, unweit der Grenze zu Lesotho. In Clarens soll schon Brad Pitt residiert haben. Ich esse den süßesten Creme Bruléepfannkuchen Pfannkuchen der Welt und habe tagelang keine Lust auf Schokolade. Das will was heißen. Im Golden Gate Highlands National Park fotografieren wir die ersten Zebras. zebrasÜber Escourt geht es weiter nach Durban – durch Canyon-Landschaften, vorbei an sattgrünen Hügeln und kristallblauen Seen. Wir passieren Lodges, die “Grünau” und “Berlin” heißen. Einige Pavian-Vollbremsungen später affe setzt an der Ausfahrt “New Germany” – quelle surprise – der Regen ein. germany In Durban sieht es nicht anders aus. Auf der Florida Road trösten wir uns mit Dorade und Weißwein bei Spiga D’oro. Im Grunde fühlen wir uns auch nach einem Regentag bestens, nur die Tatsache, dass man als Weißer bei Einbruch der Dunkelheit unter keinen Umständen (!) einen Fuß auf die Straße setzen darf, irritiert uns. Bis jetzt sind doch alle so unfassbar freundlich. Anyway.
Morgen zuckeln wir die N2 an der Küste entlang. Ziel: Umzumbe und Coffee Bay.

Prinz Pudel kämmt indes seine goldenen Locken. Er hofft auf einen Flirt mit einem Blue Diuker, der kleinsten Antilope der Welt. Mit einem Kampfgewicht von 3-4 Kilo ist sie leichter als der deutsche Dackel. Darauf steht uns Pudel.

– Vau -