Rio Gallegos – El Calafate – Torres del Paine

Eigentlich wollten wir mit dem Bus von Buenos Aires Richtung Westen nach Santiago de Chile. Wir haben umdisponiert. Sticky und ich sitzen im Flieger nach Rio Gallegos, der südlichsten Stadt auf argentinischem Festland. Wir hoffen, dort einen Bus zu erwischen, der uns ins Nachbarland bringt. Dann wollen wir uns langsam die chilenische Wurst hocharbeiten. Ohne etwas vorzubuchen. Aus dem Bauch heraus. Echt backpackerisch diesmal.
Neben uns sitzt ein älterer Argentinier und bekniet uns, ja fleht uns regelrecht an, Argentinien nicht zu verlassen, ohne vorher einen Stop in El Calafate einzulegen und uns den einzigen nicht abschmelzenden Gletscher der Welt, den Perito Moreno, anzuschauen. Und wenn wir Glück haben, wirklich großes Glück, kalbt er auch noch.
Um zwei Uhr morgens landen wir und nach ein paar Mini-Mützen Schlaf in der Schalterhalle des Flughafens
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nehmen wir den Bus nach El Calafate. Wir checken in ein nagelneues Hostel mit Blick auf den Lago Argentina nebst Flamingos ein und schlafen uns erst einmal aus. Am zweiten Abend starten wir nach einer Flasche Fernet Branca unseren von jungen Backpackern gefürchteten Schüttelbilder-Contest, den ich ob meiner schlafferen Gesichtshaut klar für mich entscheide.
schuettel
Am nächsten Tag ist Gletschertag. Vor uns baut sich auf einer Breite von zwei Kilometern eine 70 Meter hohe Eis-Wand auf.
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Madame Glacier ist in Gebärlaune. Im 10-Minutentakt laufen doppelhaushälftengroße Boliden donnernd und grollend vom Stapel. Amazing? Absolut! (Bilder in der Galerie)
Jetzt aber endlich nach Chile. Im Bus nach Puerto Natales empfiehlt uns ein holländisches Pärchen das Hostel Amerindia. Zu recht. Die Besitzerin stellt uns Anfängern sogar eine Trekkingtour im Nationalpark Torres del Paine zusammen. Zwei Tage Wandern bei grandiosem Wetter zwischen glasklaren Seen
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und schneebedeckten Gipfeln. Herrlich.
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Da Südchile zum großen Teil aus Inseln und Fjorden besteht, gibt es für die Weiterreise Richtung Norden nur zwei Optionen: Schiff oder Flugzeug.
Wir stellen uns vor, wie wir nach dem Captain’s Dinner mit einem Pisco Sour an der Rehling stehen, während die Sonne zwischen den Schären versinkt und buchen zwei Plätze auf dem Love Boat.
Schnell merken wir: Das Love Boat ist kein Love Boat, sondern eine gewöhnliche Fähre, die Kombüse hat DDR-Wochen und das an zwei von drei Tagen schlechte Wetter zwingt uns unter Deck. Egal. Zusammen mit Elena aus Arnheim und Nir aus Tel Aviv spielen wir stundenlang Domino, trinken literweise Rotwein und lästern ausgiebig über Crew und Mitreisende.
Am letzten Tag freuen sich meine drei Sea-Sick-Pills-Junkies über Sonne und ruhige See. Ich freu mich mit.
schiff

– A –

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