Puerto Varas – Viña Del Mar – Valparaíso – Santiago de Chile

Na, die Pudel-Stats waren auch schon mal besser. Wer liest denn hier noch mit? Wenn das so weiter geht, werden wir Prinz Pudel verlosen müssen. Gewinnspiele sind bekanntermaßen ein verlässliches Instrument zur „Generierung von Klicks“ (MTV Schule).

Bevor ich aber zum Äußersten greife, versuche ich es noch mal mit liebevoll recherchierten Fakten aus der chilenischen Lebenswelt.
Als embedded Journalists reisen wir mit einem Bus vom hübschen Puerto Varas mit Vulkan und deutschen Gründungsvätern varasgen Viña Del Mar und Valparaíso. 13 Stunden mäandert der „Bus Norte“ durch Chiles Lake District. Ich finde keinen Schlaf, fühle mich unter den weit zurückgedrehten Sitzlehnen des Vordermanns wie in einer halb aufgezogenen Besteckschublade. Die Klotür neben mir fliegt auf und zu, der „Steward“ eilt mit Duftspray herbei, um die olfaktorischen Spuren einer breitschultrigen Chilenin zu verwischen. Hoffentlich sammelt er auch die Haare vom Waschbecken, bete ich. Vergebens. Was loses Haupthaar anbelangt, verfügen die Chilenen offenbar über ein anderes ästhetisches Empfinden. Die dicken schwarzen Haare klemmen zwischen Computertasten, liegen auf Restaurantböden, kleben an Klobrillen, schlängeln sich im Waschbecken. Und Haare hat es in Chile viele. Eine Chilenin mit Kurzhaarschnitt scheint undenkbar zu sein. Hinzu kommt die Vorliebe der zahlreichen “Metal-Chilenen”, sich ihre Haare bis zum Hintern wachsen zu lassen (Haare im Waschbecken, Kai, ich sage dir, dit perlt so ganz und gar nicht).
Es ist jedoch anzunehmen, dass auch die Chilenen mit den deutschen Gepflogenheiten Probleme haben könnten. Unsere Gastgeberin in Viña Del Mar beispielsweise wird unsere mangelnde Trinkfestigkeit enttäuscht haben.

Wir haben Isabel im südafrikanischen Chintsa kennen gelernt und sind ihrer großzügigen Einladung gefolgt, doch einige Tage in ihrem Haus unweit von Valparaiso zu verbringen. Drei Tage zwängt sich Isabel samt Boyfriend in das kleine Kinderzimmer ihrer Tochter, damit wir mehr Platz haben. Wir sind beschämt. Wenn es nach unserer warmherzigen Gastgeberin gegangen wäre, hätten aus den drei Tagen auch gerne drei Wochen werden können. Das lässt unsere Kondition nicht zu, denn wohnen bei Isabel heißt trinken mit Isabel.piscocola Jeden Abend holen wir sie von ihrem Arbeitsplatz, dem Verkaufsbüro von LAN Airline, ab, dann geht es los zum Pisco-Cola-Flatrate-Saufen. Während Isas Clique zwischen klebrigen Gläsern und fettigen Pommes die Vor- und Nachteile ihres neuen Regierungsoberhaupts Piñera, dem „Berlusconi Chiles“, diskutiert, kann ich schon nicht mehr geradeaus gucken. Auf der Toilette sehe ich die Haare im Waschbecken doppelt, das ist schlimm. Die liebe Isabel fährt uns nach Hause und bechert dann bis in die frühen Morgenstunden weiter. Es ist Mittwoch, nicht Samstag wohlgemerkt, aber in Chile geht man eben an fünf von sieben Tagen aus – egal welchen Alters.

Nach einem Zwischenstopp im pittoresquen Valparaísovalparaiso erreiche ich mit letzter Kraft Santiago de Chile. In der stickigen Hitze versuchen wir erst gar nicht Paparazzi-Shots von Witwe Margots Haus anzufertigen, sondern flüchten direkt ins kühle Museum für visuelle Kunst. Neben chilenischer Gegenwartskunstkunst wird Gerhard Richter gezeigt. Deutschland steht bei den Chilenen hoch im Kurs. Sogar eine Fastfoodkette haben sie uns gewidmet: „Fritz – Tradición Alemán“. So nehmen uns die Südamerikaner also auf kulinarischer Ebene wahr: fritz2
– Vau –

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