Adios, Buenos Aires, adios…

12. Januar 2010

In eine Stadt, die einem in Panoramabar-Schlangen als „da shit“ angepriesen wird, bei der Fotografen leuchtende Augen bekommen und Rucksacktouristen kreischen „BA? Ein Must-See!“ reist man mit einer gewissen Erwartungshaltung. Mit einer sehr hohen Erwartungshaltung – um genau zu sein. Selbst Schuld. Wir hätten ahnen müssen, dass man einer Stadt, in der Christian Kracht darüber nachdenkt, „demnächst als Provinzgouverneur (…) etwas neo-peronistisches zu starten“ nicht blindes Vertrauen schenken darf. Dass man möglicherweise mit unliebsamen Überraschungen rechnen muss.

  • Mit dem Fehlen von Teilen im Überraschungsei beispielsweise.
  • Oder mit dem frechen „Ach komm“-Lächeln der Taschendiebe, wenn man ihre Hand aus dem eigenen Rucksack zieht.
  • Oder mit der Tatsache ohne Reisepass keinen Kopfsprung ins kühle Nass tun zu können. Das nächste öffentliche Schwimmbad liegt nämlich auf der anderen Seite des Rio de la Plata, in Uruguay:pool Mythos und Realität driften vollends auseinander, wenn am Silvesterabend sämtliche Restaurants schließen, sich Buenos Aires Schickeria samt Raketen nach Montevideo verzieht und uns zum Abschied ihre geschredderten Akten vom Vorjahr auf den Kopf rieseln lässt (zugegeben ein netter Brauch).schnipsel All das ist uns widerfahren. Doch auch wenn Buenos Aires unserer Erwartungshaltung als Party-Metropole ganz und gar nicht gerecht wurde, so verdienen die Portenos trotzdem unsere Zuneigung.
    Allein für ihr architektonisches Geschick mit dem sie aufs kompromissloseste Alt und Neu vereinen.alt_neuOder für den geschmackvollen Einsatz meines persönlichen Lieblingsbaustoffs: BETON. betonFür ihren sinnlichen Tangotanz, bei dem sich Körperumfang und Grazie keineswegs ausschließen müssen (gesehen in der wunderbaren Confiteria La Ideal – dem Ort des echten Tangos):

    Hochachtung auch vor Museen wie der inspirierenden Fundación Malba, dessen Eintritt sich gerade mal auf einen Euro beläuft und von dem sich die Kuratoren des Hamburger Bahnhofs mal einiges abgucken sollten.
    malba
    Und last but definitely not least: Respekt vor dem Grillen der Welt besten Steaks (probiert u.a. im “Standard”).

    fleisch

    – VAU –

  • Buenos Aires – Parte Dos

    02. Januar 2010

    Irgendwie hat unser Worldtrip etwas an Schwung verloren. Der Gemüsehändler winkt mir zu, die Frau in der Wäscherei kennt meinen Namen und wir nennen unser Appartment schon “zu Hause”. Ok, nach 10000 km quer durch Südafrika war diese kleine Verschnaufpause ja geplant und wir waren auch schon ein paar Tage in Patagonien, aber irgendwie schleicht sich langsam Routine ein. Wir brauchen Abwechslung.
    Zum Glück kommt die in Form von Diana und Christoph. Die beiden Hamburger haben sich spontan entschlossen, uns in Argentiniens Hauptstadt zu besuchen. Wir zeigen Ihnen natürlich sofort, wo es das beste Steak, die schönsten Erdbeeren und die coolsten stoplight worker gibt.
    streetworker
    Wir verwetten gemeinsam beim Pferderennen im Hippodromo Palermo einige Pesos,
    hippodromo
    trinken unter Palmen Champanne
    champanne
    und schauen uns das Silvesterfeuerwerk(chen) an,
    feuerwerk2
    und registrieren erstaunt wie sich unser Kiez langsam mit Rallye-Fahrzeugen und den dazugehörigen Crews aus aller Welt füllt.
    parisdakar2
    Denn die am 1. Januar startende Paris-Dakar wurde aufgrund von Terrordrohungen kurzerhand nach Südamerika verlegt.
    Und übermorgen fahren wir mit der Fähre über den Río de la Plata nach Uruguay.
    Hab ich was von Routine gesagt?

    – A –

    Happy New Year!

    01. Januar 2010

    Prinz Pudel wünscht allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und a zünftige Silvesterparty. Salud!

    ppny

    Patagonien – 3 Taranteln in 3 Tagen

    23. Dezember 2009

    Diverse Tiere sind zurück. Erstmal ist es Prinz Pudel, der wieder aufgetaucht ist. Gottlob! Wie hätten wir dagestanden, in einer Stadt wie Buenos Aires, wo in jedem dritten Haushalt ein Schwanz wedelt und Paseadore de perros, professioneller Gassi-Geher, ein angesehener Beruf ist?
    gassi
    Als Strafe für sein zeitweises Verschwinden nehmen wir Prinz Pudel nicht mit auf die Península Valdés (Naturreservat, See-Elefanten-Kolonien etc. Wikipedia weiß wie immer mehr), sondern beladen die Rückbank des Fiat Unos mit zwei trampenden Belgiern. Wir hoffen, dass sie „etwas Stimmung in die Bude bringen“, der Weg durch die Pampa – die reale, nicht die sprichwörtliche – erweist sich nämlich als enttäuschend eintönig. Die einzigen Farbtupfer auf dem 1400 km langen Ritt sind diese roten Gaucho-Schreine, deren Bedeutung wir noch ergooglen müssen. gaucho

    Was den Unterhaltungswert der bebrillten Studenten betrifft, scheint das Duo die dröge Landschaft noch übertreffen zu wollen. Wenigstens wechseln sie hinter Bahia Blanca artig unseren platten Reifen.

    2100 Pesos, knapp 400 Euro, muss man dem Autovermieter in Buenos Aires für sieben Tage italienischen Kleinwagen in die Hand zählen. Ob es das Vergnügen wert ist? Sagen wir es so: Wären wir in Buenos Aires geblieben, hätten wir die rührenden Momente verpasst, in denen uns Tankwarte eine handvoll Bonbons anstelle von Wechselgeld anboten (in Argentinien herrscht derzeit ein nicht zu erklärender Mangel an Münzen). Auch hätte dieses schnittige Kajak ohne uns in See stechen müssen kayakund niemand hätte das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Seelöwen zur Paarungszeit bemitleidet.

    Ferner hätte ich Spinne Nummer vier, fünf und sechs nicht abhaken können – allesamt Taranteln, gesehen auf der National Route zwischen San Antonio und Puerto Madryn.

    Hätte man mich im Vorfeld darüber informiert, dass ich zur Halbzeit dieser Reise bereits zwei 7 cm große Hausspinnen, eine handgroße Wüstenspinne und drei Taranteln (!) antreffen würde, ich hätte den 3000-Euro-Flug eiskalt verfallen lassen und eine Woche Sylt gebucht. Nun – da das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist – werde ich von Mal zu Mal entspannter. Es ist erstaunlich, wenn nicht sogar ein kleines Wunder. Die letzte Tarantel habe ich sogar von Andi fotografieren lassen und das Ergebnis eigenhändig im Photoshop bearbeitet. Hier also zu meiner und unser aller Therapie die Tarantel:
    spinne
    Krass, ge?

    – VAU –

    Buenos Aires – Parte Uno

    14. Dezember 2009

    “Quin es? Soy Verena. De donde sos y cual es la profession? Soy de la Alemania y soy periodista. Cuantos idiomas habla? Hablo dos idiomas.”
    Ich sitze im Spanischunterricht. Es ist heiß. Der Ventilator rührt fleißig die verbrauchte Luft um und Sticky muß mit unserer Lehrerin Rosaria Konversation üben. Zeit zu dösen…
    Gestern haben wir uns ein Spiel der “River Plates” angeschaut. (Eigentlich wollten wir ja ins legendäre Boca-Juniors-Stadion, aber die spielen zur Zeit grottig und im unteren Tabellendrittel. Außerdem pinkeln einen dort die Hooligans an – behaupten die Argentinier.) Die Plates gewinnen 2:0 und die Fans sind aus dem Häuschen. Sie trommeln und singen ohne Pause.
    riverplates
    Nach dem Abpfiff werden wir noch geschlagene 20 Minuten von der Polizei zurückgehalten. Damit die Gäste-Fans einen Vorsprung bekommen.
    Das ist bei dem Verkehr hier nicht sehr viel. Überhaupt der Verkehr. Die Straßen sind permanent verstopft und es ist laut. Vorallem wegen der gepimpten Busse im 70er-Jahre-Style. Sehr schön anzuschauen. Viel Chrom, viele Lampen, aber sie machen einen Heidenlärm.
    bus
    Die pfeifen wie kaputte Quietsche-Enten. Allerdings mit 90 Dezibel. Abgesehen davon ist Buenos Aires wirklich toll. Erinnert ein bisserl an Barcelona. Nur größer. Und etwas schäbiger. (Verena meint: osteuropäischer)
    Unser kleines Loft jedenfalls ist perfekt.
    loft
    Ruhig gelegen in Palermo Viejo mit jeder Menge Shops, Restaurants und Bars in der, mit Street Art verschönerten, Nachbarschaft
    streetart
    und nur zwei Blocks entfernt von unserem Jogging-Park.
    jogging
    Der ist auch nötig bei dem hervorragendem Essen.
    Die Puertenos (wie die Haupstädter hier heißen) sind wirklich sehr freundlich. Nur allein mit Englisch kommt man nicht sehr weit. Deshalb sitzen wir jetzt hier und…
    Andreas, que desayuna a la manana? Äh – Was?
    – A -

    St. Lucia – Hluhluwe – Swasiland – Soweto

    03. Dezember 2009

    Die letzte Woche in Südafrika ist angebrochen. Auf dem Weg durch Kwazulu-Natal vertreiben wir die trüben Gedanken mit den lokalen Presseerzeugnissen. Für amüsante Momente sorgt immer wieder die „Elle“.
    A) Die Autoren thematisieren sich gerne selbst: „How to be a fashion editor and stay slim“
    B) Die Ratschläge haben sie offenbar von der BRAVO abgekupfert: „Lass dich nicht von fremden Typen nach Hause fahren, setz’ dich nicht alkoholisiert hinters Steuer“ usw. usf.
    Herrlich auch die Beauty-Tipps: „Wie kann ich morgens Zeit im Bad sparen? Lackiere deine Nägel am Abend vorher!“ Ach klasse, wäre ich nicht drauf gekommen.
    Genug gespottet, wir sind im Marine Reservat St. Lucia angekommen. Als wir im Garten unseres Appartements grillen, bekommen wir Besuch. Eine vierköpfige Hippo-Familie mäht unseren Rasen, während wir leicht nervös an unseren Maiskolben nagen:hippos_im_gadde
    In den nebeligen Hügeln des Hluhluwe (gesprochen: Schluschluwä) Parks unternehmen wir unsere letzte Foto- bzw. Videosafari. Inzwischen routiniert im Umgang mit großen Tieren machen wir das im eigenen Wagen. Hier ein paar bewegte Bilder (leider etwas mau – qualitativ):

    Nach einer Nacht in einer feschen Lodge ziehen wir ab nach Swasiland. Das kleine Königreich hat etwa die Größe Sachsens und liegt mitten in Südadfrika. Hinterm Schlagbaum gewittert es gewaltig. Klar, dass wir nicht lange zögern, als wir drei Schulkinder mit ausgestrecktem Daumen im Regen sehen. Die beiden Jungs springen nach wenigen Kilometern raus, das Mädchen – Primrose, 16, Lieblingsfach Hauswirtschaft, Traumberuf Krankenschwester – muss in ein kleines Dorf namens Ludzeludze. Es ist nicht auf unserer Karte eingezeichnet und wie sich herausstellt, kann Primrose den Weg dorthin auch nicht erklären. Macht nüscht, wir ham ja Zeiiiit. Nach zwei Stunden und einem Dutzend U-Turns biegen wir endlich auf die kleine Hauptstraße von Ludzeludze ein. Leicht erschöpft, wir denken halt immer noch in deutschen Dimensionen… Den Weg ins Sondzela Backpacker finden wir schneller. Die Koffer in einem Roundavel (ein afrikanisches Rundhaus) geparkt, freuen wir uns über das nahrhafte und absolut günstige Buffet im Swasi-Style: swasi_buffet
    Aufgrund zweier Spinnen beträchtlichen Ausmaßes (warum stehen die eigentlich nicht auf der roten Liste?) bleibe ich den zweiten Tag ungeduscht und pieschere in den Garten.

    Die letzte Station unserer Afrikareise heißt Johannesburg. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für eine Backpacker-Nacht in Soweto entschieden. Die Zimmer sind zwar etwas einfach, dafür kann man den Menschen auf einer von Einheimischen geführten Radtour durch den SOuth WEstern TOwnship auf Augenhöhe begegnen – auch wenn man dazu mal in die Knie gehen sowetoprincess
    oder in einer Wellblechhütte selbstgebrautes Johannesburg Beer tanken muss:soweto_bier
    So. Nach knapp 10 000 Kilometern, war es das also, das Afrikaabenteuer, das mir bei der Planung einige Sorgen bereitete. Zu unrecht. Keines der Klischees hat sich bestätigt. Wir waren in der Kalahari mit dem Mietwagen unterwegs, kein Elefant hat unser Auto umgeworfen. Wir haben nach Einbruch der Dunkelheit in Johannesburg an roten Ampeln gehalten, kein Mensch hat uns die Reifen aufgeschlitzt und Dollarnoten gefordert. Wir haben im Township Soweto-Burger burger+radio+beer

    gegessen, kein Kind hat uns die Pommes vom Teller gerissen. Allerorts wurden wir mit einem fröhlichen „Hello! How are you?“ begrüßt. Vielleicht hatten wir einfach nur Glück, vielleicht ist Afrika aber schlichtweg besser als sein Ruf.

    Oh ich vergass. Ein Klischee hat sich doch bewahrheitet: auf diesem Kontinent sind die Spinnen wirklich verdammt groß.
    Und es gibt noch ein kleines Drama zu vermelden: Prinz Pudel ist weg. Er ist unauffindbar. Ob er sein Blue Duiker getroffen hat und verliebt zurückgeblieben ist? In Buenos Aires müssen wir die Koffer auf den Kopf stellen. Das kann und darf nicht wahr sein!

    Kalahari

    22. November 2009

    Endlich geht’s in die Kalahari. Endlich kann ich hautnah erleben, was ich bisher nur aus ungezählten Stunden vor der Glotze kannte. Die Semi-Wüste ist Niemandsland und Naturreservat in einem, liegt im Dreiländereck Namibia-Botswana-Südafrika und ist mit rund 1,2 Millionen km2 ungefähr so groß wie Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Niemandsland bedeutet: Wenn man (wie wir) aus Namibia in die Kalahari will, muss man auschecken (Pass!, Woher?, Wohin? Haben Sie was zu verzollen?) und wenn man sie wieder verlässt in einem anderen Land einchecken (Pass!, Woher?, Wohin? Haben Sie was zu verzollen?).
    Doch bevor wir die Kalahari erreichen, müssen wir noch einmal übernachten. Camping auf einer Cheetah-Farm in Keetmanshoop. Cheetah werden hier die Geparden genannt. (By the Way: Ich bin ein großer Geparden-Fan. Verena nicht. Sie behauptet sogar die Geparden-Babies sehen aus wie Ed-Hardy-gedresste Marzahn-Kids. So ein Quatsch!)
    Die Cheetahs leben hier in einem angeblich 40 km2 großen Gehege und werden täglich um 17:00 Uhr gefüttert. Der Herr des Hauses pfeift, die Geparden kommen angetrottet und stürzen sich auf ihren Fleischbatzen. Dann bittet der “Cheetah-Papa” die Gäste ins Füttergehege und einer nach dem anderen wird mit “Du! Du da hinten! Du warst noch nicht dran.” gezwungen dem Tier den Nacken zu kraulen. Ziemlicher Touri-Zoo das ganze. Trotzdem steigt mein Puls auf 130 als ich an der Reihe bin.
    cheetah
    So jetzt aber in die echte Wildnis. Am Eingang zur Kalahari müssen wir angeben, wie lange wir bleiben und alle Unterkünfte im Voraus buchen. Hin und her gerissen zwischen “Ja! Wie bei Daktari!” und “Wie da ist kein Zaum um den Gampingplatz?” entscheiden wir uns für die umzäunte Variante. Nach ein paar Ermahnungen (“Nie das Auto verlassen, nicht aus dem Fenster lehnen”) geht es endlich los. Und wir haben Glück. Großes Glück. Schon nach einer halben Stunde unser erstes Löwenrudel. Dösend unter einem Baum.
    rudel1
    Und dann geht es Schlag auf Schlag. Gnus,
    gnu
    Springböcke,
    springbok
    ein Singhabicht,
    greif
    ein Lockenleopard,
    pp
    ein zweites Löwenrudel mit zwei stattlichen Männchen,
    rudel2
    und den schwersten flugfähigen Vogel der Welt, eine Riesentrappe.
    bigbird
    Leider bekommen wir auch die Unbarmherzigkeit der Natur zu sehen.
    Einen Schakal mit einem geschwollenem Kopf. (Hat sich wohl mit einer schwarzen Mamba angelegt und sieht jetzt eher aus wie ein Schwein)
    schakal
    Und zu unserem Entsetzen eine sterbende Löwin. Wir dachten, sie wäre tot. Aber als wir das Foto schießen, öffnet sie noch einmal kurz ihre Augen. Mein Gott wasn Schock!
    sterbenderloewe
    Nach 2 vollen Tagen warten, flüstern und knipsen haben wir eigentlich alles gesehen außer Giraffen, Schlangen und Hyänen. Wir verlassen die Kalahari Richtung südafrikanische Zivilisation.
    Übrigens Kalahari ist Kgalagadisch und bedeutet “Land des großen Durstes”. Stimmt.
    – A –
    PS: Falls jemand noch mehr Fotos sehen will: es gibt jetzt eine Namibia Galerie

    Namibia – Es wird exotisch

    15. November 2009

    Für meinen Geschmack zu exotisch. Doch dazu gleich mehr. Diesmal muss ich etwas ins Detail gehen.

    Wir haben Südafrika also den Rücken gekehrt und den Opel Corsa gegen einen Allrad-Jeep mit Dachzelt getauscht. Ausstaffiert mit zwei Kanistern Benzin, Wasser und Vorräten rasseln wir eine Woche lang über Namibias Sand- und Schotterpisten. Über Stunden kommt uns kein Auto entgegen, diese unendliche Weite (anfangs fast beklemmend). Das erste Tier, das uns vor den Bullenfänger läuft, ist ein dicker Skorpion. Ausgerechnet. Nichts wie raus aus den FlipFlops, rein in die Wanderschuhe und nie mehr ausgezogen! Uff.
    Die erste Nacht im Zelt verbringen wir auf dem Hobas Campingplatz Nähe des Fish River Canyons (der zweitgrößte nach dem Gran Canyon übrigens). Der Camp-Wart lebt seit 12 Jahren auf dem Platz und präsentiert uns beim Check-In stolz seine Sammlung eingelegter Schlangen und Skorpione.schlange
    Was man denn im unwahrscheinlichen Falle eines Skorpionstichs mache, will die nervöse Großstädterin wissen. Der zahnlose Zeltplatz-Betreiber muss nicht lange überlegen. „Alkohol!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Alkohol natürlich! Damit desinfiziert man die Stichstelle, richtig?“ „No, no. Drink! Drink! Good for the heart.“
    Alles klar. Weiß ich bescheid. Einen heben hilft im Zweifelsfall immer… In unsere ersten Zeltnacht in der Wildnis stören uns allerdings keine stechenden Wüstentiere, sondern nur kreischende Paviane, die um den Inhalt der Mülltonnen kämpfen.

    Die zweite Nacht verbringen wir auf einem traumschönen Camping-Platz mit Meerblick in der Lüderitzbucht. In der ehemaligen Diamantenhochburg Kolmanskop – heute verlassen und von der Wüste vereinnahmt – schießen wir Hunderte Fotos.ghost1

    Es geht weiter Richtung Namib Wüste. Hochplateaus, im orangen Licht der untergehenden Sonne, güldene Graslandschaften und unfassbar schicke Zebraszebras und Oryxe (wilde noch dazu) oryxrauben uns den Atem. Nun weiß ich, warum die ZDF-Filme mit der
    herzigen Christine Neubauer vor Schmalz nur so triefen. Afrika fordert es geradezu heraus.
    Auf einer Farm finden wir in einer Felsenbucht den schönsten Campingplatz der Welt. Wie ist das Leben nur herrlich und entspannt.auto

    Die Ruhe ist vorbei, als wir bei unserer fliessend Deutsch sprechenden Wirtin die Rechnung unterschreiben. Humaner Preis, wieso aber muss sie uns zum Unterzeichnen der Papiere an ihren Lieblingsplatz führen? Auf dem Tisch ein Einmachglas mit lebendem Skorpion, im Regal ein Schaukasten mit getrockneten Insekten – darunter deprimierend große Spinnen. Als bekennende Spinnenphobikerin bin ich das gefundene Fressen für unsere Insektenfreundin. „Ja, Spinnen gibt es in Namibia sehr viele. Aber die sind alle ungiftig, nur eben sehr groß“, schürt sie meine Angst und deutet auf eine sandfarbene Walzenspinne (auch Red Roman od. Sun Spider genannt). „Die Sun-Spider rennt gern in Lichtkegel. Also lasst nicht ständig die Lampen an.“ Vielen Dank auch. Mit Angstschweiß auf der Stirn verlassen wir die Farm. Im Auto rede ich mir ein, dass es doch so viele Spinnen und Skorpione in Afrika nicht geben kann, wenn sie die Eingeborenen so sorgfältig konservieren. Und überhaupt, warum sollte ausgerechnet MIR eines dieser seltenen Viecher über den Weg laufen?

    Einigermaßen runtergekühlt pesen wir weiter in die Namib Wüste. In Sossousvlei klettern wir auf eine 200 Meter hohe Düne und genießen einen Sundowner – erneut gerührt von der Schönheit des schwarzen Kontinents. wueste

    Der Rückweg wird anstrengend. Wieder einmal verschätzen wir uns. Wir fahren uns in der Sandpiste fest, die wenigen anderen Touristen-Jeeps sind nur noch Punkte am Horizont. Wir sind bis auf einen Minivan die letzten. Andi fällt ein, dass er den Low-Drive-Gang einlegen muss, wir kommen schnell frei, trotzdem müssen wir einen Teil der Strecke im Dunkeln zurücklegen. Macht man bei Straßen ohne Zäune ziemlich ungern.
    Auf dem Zeltplatz finden wir unseren Platz nicht. Wir fahren zurück zur Rezeption, ich steige aus, Andi leuchtet mir mit den SCHEINWERFERN den Weg. Der Empfangstisch ist nicht mehr besetzt, die Türen geschlossen. Ich will schnell zurück zum Auto, da ruft mir ein beleibter Herr aus dem Dunkeln zu, ob ich Hilfe brauche. Ich mache einen Schritt auf ihn zu, gucke natürlich vorher zu Boden und da rennt sie los: die handgroße Walzenspinne, angezogen vom Licht der Scheinwerfer. Hysterisch kreischend schaffe ich den Sprung ins Auto. Der beleibte Herr tritt die Spinne todesmutig mit seinen kunstledernen Slippern kaputt und lacht dabei freundlich. „It has no poison, don’t panic.“ Kein Gift? Mir doch wurscht. Für mich sind alle Spinnen per se lebensbedrohlich (während ich das schreibe, juckt es mich schon wieder überall).
    Die Nacht auf dem von Spinnen verseuchten Campingplatz zu verbringen, scheint unmöglich, bis wir den Preis für ein Zimmer in einer nahegelegenen Lodge erfahren: 360 namibische Dollar, ca. 345 Euro. Das kann und darf mir meine Angst nicht wert sein.
    Wir beschließen, dass ich auf dem Beifahrersitz warte, bis Andi heldenhaft das Zelt aufgebaut hat und ich mich über die Leiter aufs Dach retten kann. Das Licht bleibt aus, damit wir nicht noch mehr Spinnen anziehen. Irgendwann fällt mir der Rat von meinem Freund im Fish River Canyon ein: Alkohol trinken! Der sündhaft teure Wein vom Tulbagher Weingut muss herhalten. Ein Jammer. Dafür schlafen wir einigermaßen stressfrei ein. Dem Gejaule der Schakale entgehen wir dank Ohrstöpseln.
    Meine Güte. Wer hätte gedacht, dass Namibia so exotisch ist? (Jetzt lacht dein Papa sicher, Kathi.)

    Swellendam – Barrydale – Tulbagh

    07. November 2009

    Abschied von Cape Town. An unserem letzten Abend machen wir Braai. Braai wird Brrraiiiiii ausgesprochen und ist Afrikaans für BBQ. Ich hatte ein Medium-Well-600-Gramm-Rumpsteak. 6 € im Supermarkt. Noch Fragen?
    DIe Namibia-Kalahari-Safari startet am Sonntag. Also noch vier Tage Zeit. Wir fahren ein bisserl ins Landesinnere.
    First Stop: Swellendam. Hier hiken wir zur Abwechslung mal durch den Busch.
    hiking
    Die Paviane, die wir aufscheuchen, versuchen uns mit wirklich beeindruckendem Gebrüll zu beeindrucken. Klappt ganz gut.
    Trotzdem werde ich langsam zum Wander-Fan. Oder einfach nur alt.
    Für die Übernachtung wurde uns der Backpacker “Dung Beetle” in Barrydale empfohlen. Wir bekommen ein riesiges Zimmer für 12 € pro Nase.
    Überhaupt empfohlen. Man braucht wirklich keinen Guide hier. Der Südafrikaner liebt es, dem geneigten Urlauber die interessantesten und schönsten Ecken seines Landes zu empfehlen.
    Der berühmteste Laden in Barrydale ist wohl die MAGPIE Gallery.
    magpie
    Die Jungs designen Lampen und Kronleuchter aus Plastikabfall. Einen davon hat sogar Barack Obama in seinem weißen Haus hängen.
    Die letzten zwei Tage vor unserer Safari verbringen wir im ebenfalls empfohlenen Tulbagh. (sprich: Tählbach)
    Genächtigt wird diesmal etwas teurer. Im “Cape Dutch Quarter” in der Church Street.
    quarter1
    Wie die gesamte Strasse, erbaut im sogenannten Kap-Holländischen Stil.
    quarter2
    Hier machen wir auch unsere erste Weintour. Eigentlich ist es eine Champagner-Wein-Wein-Schokoladen-Tour. Angefangen im Kellergewölbe der “Twee jonge Gezellen” mit über 5000 Flaschen Perlwein
    wein
    bis zur kleinsten Schokoladenfabrik der Welt “Moniki”.
    schoko
    Wir sind schon um 2 pm besoffen.
    Das hindert mich natürlich nicht nebenbei noch php zu lernen und eine kleine Galerie zu implementieren. Wie wir IT-Fuzzi’s sagen…
    – A –

    Kapstadt Teil2 – Bunte Bälle, hohe Berge, weiße Haie

    03. November 2009

    Habe ich zu den fleißigen Herrschaften tatsächlich gesagt „May I take a picture? You look so cute with your BALLS!“? Ich befürchte es. Mein Englisch muss besser werden.baelle
    Aber das ist nur eine Randnotiz. Das wirklich aufregende Ereignis erwartet uns in Gansbaai: Ich, Besitzerin von drei Haipostern, einem „Jaws“-T-Shirt, einer holzgerahmten „Jaws“-Fotografie, einem Hai-Federball, einem Plüsch-Shark vom WWF, einem sprechenden Schaumstoff-Hai, zwei aufziehbaren Hai-Schlüsselanhängern und einer Hai-Marionette am Stiel, treffe endlich auf mein Lieblingstier: den Great White Shark! Chris Fallows, Hai-Photographer, empfiehlt uns Marine Dynamics, einen Anbieter, der eco-friendly Shark-Diving anbietet. Eco-Friendly heißt: ein Großteil der Einnahmen geht an Shark-Research-Programme; außerdem werden die Haie nicht unnötig gereizt (zum Beispiel durch Stockschläge auf die Schnauze, das garantiert den Touristen spektakuläre Fotos von aggressiv aufgerissenen Mäulern) hai1Ich lerne: Haie sind sehr friedliche Fische. Trotzdem bin ich so nervös wie vor einer Prüfung, als ich in den Käfig steige. Das Wetter ist perfekt. Gute Sicht, keine Wellen und strahlende Sonne, es dauert nicht lange bis 12 Haie unser Boot umkreisen. Hätte ich doch nur noch eine ruhige Hand gehabt (oder wäre der Hai waagerecht geschwommen):hai2
    Nach dieser Aufregung erstmal ein Tässchen Roibusch-Tee in der Universitätsstadt Stellenbosch. Wenn einem Studenten hier eine Eichel auf den Kopf fällt, macht er ein gutes Examen. Das besagt ein Sprichwort. (Heike, worauf wartest du noch?) tee
    Nach Shark-Diving-Tour, Robben-Island-Besuch und Stellenbosch-Visite gilt es Kräfte für die Besteigung des Tafelbergs zu sammeln. Gott, ist die Tour anstrengend. Too much Sun. Und dann kommt der 13 Jahre ältere Raucher auch noch vor mir an – locker und beschwingt:tafelberg Ächz. Life is a bitch.
    – VAU –